August 8, 2010

Endlich Bardentreffen!

Ein besonderes Live-Zuckerl war das letztwöchige Konzert auf dem Nürnberger Bardentreffen. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, um unzählige Bühnen in der ganzen Altstadt abzugrasen. An jeder Ecke stehen Musiker, Bands, Kleinkünstler aus ganz Deutschland und machen – erst recht bei ansprechener Witterung – das Bardentreffenwochenende alljährlich zum kulturellen Höhepunkt der Stadt. Die Größte der vielen Bühnen steht dabei auf dem zentralen Hauptmarkt und wir 8 Bertholinis hatten tatsächlich das Vergnügen und die Ehre, den diesjährigen Sonntag-Nachmittag dort zu eröffnen. Ich war schon als Kind vor dieser Bühne gestanden und ich muss ehrlich zugeben, dass mir der Gedanke daran im Vorfeld eine kleine Extraportion Nervosität einhauchte. Allerdings muss ich seitdem ein ganzes Stück gewachsen sein, denn die Bühne ist – wenn man dann endlich mal oben steht – eigentlich gar nicht so riesig, wie ich sie als Kind von unten erlebt hatte. Und nicht ohne Stolz konnte ich feststellen, dass wir mittlerweile schon auf größeren… aber das ist für den Moment egal.

Bardentreffen also, der Nürnberger Hauptmarkt, eine Prise Extra-Nervosität, das Wissen, es würde heiß werden (vor allem Todor, Oszkar und Janos bekamen die pralle Sonne aufs Haupt) und die Hoffnung, es würde voll werden. Problematisch ist in diesem Fall, dass der besagte Platz mit 1000 Leuten alles andere als voll wirkt. Das allerdings sollte nicht zu unserem Problem werden, denn schon zu Beginn des Konzerts hatten sich bereits weit mehr Leute eingefunden. Wie ich sonst auch manchmal zu Fussballvokabular neige möchte ich hier fast von einem echten Fussballfest und Heimspiel sprechen. Eine sehr positive Stimmung von Anfang an und die vorhin erwähnte Nervosität kam mir schon irgendwann beim Soundcheck abhanden. Das 90-minütige Set hatte einmal mehr zwei Live-Premieren zu bieten, sozusagen als Vorgeschmack auf die im Herbst anstehende Tour. Einen kleinen Ausschnitt könnt ihr hier selbst begutachten:


Der Link wurde uns erst gestern zugeschickt, sehr lobenswert solch überraschende Produktionen, von hier aus vielen Dank an KTS! Schön auch die warmen Worte von der roten Raupe.

Im Rückblick ein rundum schönes Konzert mit großen Momenten! Neben vielen Seifenblasen, hoffentlich vielen Fotos (Hilfesuchende für unsere Stop-Motion-Videoaktion bitte hier entlang), drei Zugaben und etlichen neuen Freunden gab es einmal mehr – und diesmal umso überraschender – den schon beim Burg Herzberg Festival erlebten Publikumskreis. Man denkt im ersten Moment, es ist wirklich ziemlich albern, aber dann überkommt einen doch die Gänsehaut! Echt erstaunlich. Danke an alle Beteiligten!

Wir begeben uns nun in eine kleine selbstgemachte Sommerpause und bereiten uns weiter auf die großen Dinge des diesjährigen Herbstes vor. Unser nächstes Konzert gibts am 23. September beim Reeperbahnfestival. Wem in der Zwischenzeit langweilig wird, kann gleich am nächsten Wochenende ein famoses Festival ebenfalls in Nürnberg erleben. Unser Freund das Brückenfestival findet auch dieses Jahr wieder unter der Theodor-Heuss-Brücke statt. Großartige Bands werden da sein (wir übrigens nur als Gast und nicht auf der Bühne): U.a. Who made who, The Black Box Revelation und Rainer von Vielen. Auch Golden Kanine aus Schweden seien euch an dieser Stelle wärmstens empfohlen. Mehr zum Festival gibts hier.

July 31, 2010

Stop-Motion!

Hallo, liebe Freunde!

bevor ich euch demnächst etwas ausführlicher berichte, wie das Konzert beim Bardentreffen war (und es war wahrlich famos, soviel muss hier gesagt sein) hier zunächst die wichtigen Informationen für die unter euch, die dabei waren und uns bei unserer Stop-Motion-Idee unterstützen möchten:

Du hast also Fotos gemacht und möchtest sie uns zukommen lassen:
Großartig! Gerade wenn Du viele Fotos gemacht hast, empfiehlt es sich, die Fotos zu zippen und mit Hilfe von www.wetransfer.com zu schicken. Bitte sende sie an stopmotion@bertholini.de . Wenn Du nur eine kleine Menge an Fotos hast oder Du wetransfer doof findest, dann maile die Fotos bitte direkt an die Adresse.

Demnächst mehr mit einigen ersten Bildeindrücken.
Schonmal tausend Dank im Voraus, das wird fantastisch!

Voll Vorfreude,
Eure Bertholinis

July 26, 2010

Zweimal mehr on3

Bevor ich irgendwas zum vergangenen Wochenende schreibe, hier nochmal unser herrliches neues Stück Film:

Dank unseren Freunden von on3 gab es am vergangenen Freitag in und um Wasserburg am Inn gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Am Nachmittag waren wir zu Gast bei on3-Südwild, einer täglichen Musik/Jugend/Kultur-Livesendung von on3, die u.a. auf BR alpha ausgestrahlt wird. Über diesen Link, könnt ihr euch die einstündige Sendung selbst angucken. Vor und nach unserem Livetalk gibt es zwei Songs vom im Herbst erscheinenden Album zu hören (freilich ebenfalls live gespielt). Viel Spaß dabei…

Gleich nach der Sendung gings für uns etwa 15km weiter zum von on3 präsentierten Kuahgartn-OpenAir nach St. Leonhard. Ein für die Größe des Festivals beeindruckendes Lineup u.a. mit Urlaub in Polen (sehr nette Jungs!), den akustischen Fotos, dem Jeansteam und noch einigen internationalen Bands. Wie der Name schon andeutet, findet das Ganze auf der grünen Wiese statt. Ein wirklich schnucklig-idyllisches Gelände und auch sonst allerhand bayerische Gemütlichkeit waren geboten. Starker Regen über weite Teile des Nachmittags und Abends machten dem großen Festivalvergnügen allerdings schwer zu schaffen – zu schade! Aus solch schwierigen äußeren Bedingungen ergibt sich dann allerdings oft ein ganz besonderes, eingeschworenes Gefühl (Regen – der gemeinsame Feind!) unter den tapferen Anwesenden, die sich Dank eines großen Regendaches direkt vor der Bühne versammeln konnten und offensichtlich – jetzt erst recht – feiern wollten. Als wir mit über einer Stunde Verspätung (auch dafür war die Nässe verantwortlich) gegen 21:30 Uhr auf die Bühne stiegen, war die Stimmung jedenfalls schon sehr ausgelassen. Ein sehr dankbares Publikum, das uns gegen Ende des Abend auch nicht alleine ließ auf der Bühne. Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, würde ich z.B. nicht glauben, dass Lobos während der Zugabe einen neugierigen Gast am Schlagzeug hatte, oder sich Janos mehrfacher “Angriffe” auf seine Lapsteel erwehren musste. Wunderbare Szenen der Verbrüderung!

An dieser Stelle möchte ich zum einen noch auf unser Konzert am kommenden Wochenende beim Nürnberger Bardentreffen hinweisen: am Sonntag (1. August) um 15:00 Uhr auf der Bühne am Hauptmarkt. Zum anderen möchte ich nicht ganz ohne Stolz verkünden, dass diese Zeilen hier zum 100. (in Worten: “einhundertsten”) Artikel in diesem unseren Blog gehören. Gratuliere!

July 20, 2010

Herzberg und die Werbetrommel

Liebe Freunde, es ist soweit. Der offizielle Startschuss zur Promowelle für den Release unseres dritten Albums steht unmittelbar bevor. Und ehe ich euch vom vergangenen Wochenende und dem Burg Herzberg Festival erzähle gibt es heute ein cineastisches Wohlfühl-Bonbon aus dem Hause Bertholini. Wir klopfen diesmal gar am Tor zur HD-Welt (wers mag und sichs leisten kann, stelle gleich auf 720p und Vollbildmodus). Voller Stolz gratuliere und danke ich den Machern des Werks und präsentiere gleich hier unten dran die Wohnzimmerversion von Time Machine:

Gut geworden? Wir sind für Feedback und Kritik immer gern zu haben, immer her damit!

Kommen wir nun zum letzten Wochenende. Schon im letzten Jahr schrieb ich an gleicher Stelle vom großen und renommierten Burg Herzberg Festival. Waren wir damals noch auf der kleinen Bühne am Rande des Campinggeländes vertreten, dürften wir dieses Jahr auf der großen Hauptbühne ran. Das ganze findet tatsächlich seit 1968 auf dem Herzberg statt (eine Burg konnte ich auch dieses Jahr nicht entdecken) und bei einem Teil der Festivalbesucher könnte man sich durchaus vorstellen, dass sie sich bereits als Kinder auf der hiesigen Festivalwiese tummelten. Diese Wiese ist übrigens geradezu prädestiniert für ein solches Festival, von der Bühne steigt das herrliche Grün kontinuierlich an, so dass man auch in etwa 100 Metern Entfernung noch einen ungetrübten Blick auf die Selbige werfen kann. Das lässt schon ein wenig die Dimensionen der Veranstaltung erahnen. Wenn man darüber nachdenkt, dass am Abend vor unserm Konzert New Model Army und Jeff Beck die gleiche Bühne betreten haben, wähnt man sich schon im großen Rock-Olymp.

Von den Größen der Musikhistorie ist allerdings am frühen Sonntagnachmittag nicht mehr allzu viel zu spüren. Nur der Kater der Bühnentechniker und die tiefen Furchen der Trucks im aufgeweichten Geläuf lassen Großes erahnen. Wir betreten also am Sonntag bereits um 14:45 Uhr die Bühne, seit 12 Uhr mittags hat die Amsterdam Klezmer Band den frühen Festivalvögeln eingeheizt. Die Stimmung ist tatsächlich schon überraschend ausgelassen! Viele tanzen bereits in der Mittagssonne vor der Bühne und das Geschrei nach Zugaben hört sich nach mindestens 19:30 Uhr an. Der Rest der riesigen Wiese ist bis zum Horizont gut bedeckt von üppigen Deckenlagern und Sonnenzeltburgen – wie gesagt, ein großes Festival.

Ja nun, was kann man erzählen von unserem Konzert? Es gab weitere Live-Premieren zu vermelden: zwei Songs vom im Herbst erscheinenden neuen Album haben den Weg ins Liveset gefunden. Für Bright Days kam sogar erstmals ein Rhodes-Piano zum Bertholini-Einsatz. Mannomann! Ein eher unmusikalischer Höhepunkt des Konzerts war ein (zumindest für mich) recht spontaner Heiratsantrag eines Festivalgastes auf der Bühne. Auch von hier nochmal ein ganz dickes “Herzlichen Glückwunsch!” von der ganzen Familie Bertholini. Auf einem Festival, das sich selbst mitunter als “Hippie Convention” bezeichnet ist – und darüber schrieb ich ebenfalls letztes Jahr – die Dichte an begeisterten und ausdrucksstarken Tänzern deutlich über dem Durchschnitt. Das treibt tolle Blüten! Und die schönste davon passierte beim letzten Song (wiedermal die zweite Zugabe: Whispering Fools): ein riesiger Kreis von sich an den Händen haltenden Menschen. Und dank Oszkars geschickter steuernder Einwirkung kam es zu einer spontanen choreographischen Kumulation im Zentrum des Kreises, exakt zum Höhepunkt des Songs – ganz großes Kino!

Schon am kommenden Freitag sind wir wieder unterwegs, diesmal im Boarischen. Zunächst am Nachmittag zu on3-Südwild in Wasserburg am Inn (sobalds was zu sehen gibt, sach ich Bescheid) und dann gleich weiter zum Kuahgartn Open Air im nahen St. Leonhard u.a. mit Urlaub in Polen, den Fotos und dem Jeans Team. Bis dann!

July 1, 2010

Chinesisches Vogtland

Die Stelzenfestspiele bei Reuth sind kein klassisches Festival! Also irgendwie trifft dieses Prädikat schon zu, aber wer einmal selbst dabei war wird meinem entschiedenen Nein zustimmen. Natürlich sind Mozart, Haydn und Tschaikowski auf selbstverständlichste Weise vertreten und der verheißungsvolle Dunst des Leipziger Gewandhauses lässt sich auf dem ganzen Gelände atmen. Womit wir schon bei dem zentralen Merkmal sind, das dieses Festival von anderen Festspieltagen unterscheidet: dem Festivalgelände. Ein weiteres untrügliches Zeichen für die herrliche Verquertheit der Veranstaltung ist die Tatsache, dass am Samstag Abend um 23:00 Uhr eine Band wie The Great Bertholinis die Bühne betritt…

Das verträumte Stelzen – ein kleines Vogtländisches Dörfchen mit gefühlt 450 Einwohnern – richtet diese eben doch an der klassischen Musik orientierte Veranstaltung seit fast 20 Jahren aus. Das alljährliche Highlight sozusagen. Wie Einheimische mir selbst berichteten, hatten damals Mitglieder des Gewandhausorchesters (die im Ort ein Häusschen bezogen) die Idee des Festivals in Form des orchestralen Musizierens auf der grünen Wiese. Dabei sei erwähnt, dass sich etwas außerhalb des Ortes der sogenannte Stelzenberg erhebt. Von der in der Tat äußerst grünen Gipfelwiese dieses Hügels hat man einen stattlichen Blick über die Gegend. Und genau hier erfreut also das Stelzenfestival jährlich Ohren und Augen der kultur-affinen Gästeschar. Mittlerweile kommt diese Gästeschar von weit her und der Spielort ist längst im Besitz des Festivalvereins. Dort wurde am Rande eines kleinen Wäldchens (mittlerweile der Campingplatz für die Festspielgäste) die sogenannte Festspielscheune errichtet.

Unser Eintreffen auf dem Gelände fällt mit dem Beginn des abendlichen klassischen Konzertes in der Festspielscheune zusammen. Ein äußerst überraschender Anblick: 60-70 chinesische Kinder haben gerade auf der Bühne Platz genommen, die Ältesten vielleicht 12-13 Jahre alt. Alle sind in hellgrüne, leicht traditionell anmutende Gewändern gekleidet und hantieren mit teilweise exotischen Streich-, Blas- und Zupfinstrumenten. Ein original chinesisches Klangerlebnis! Mannomann!

Mit einer Stunde Verspätung wegen der aufwändigen Umbauten des Orchesters (man stelle sich 70 chinesische Kinder vor, die wild durcheinanderwuseln) betreten wir um kurz nach 11 die Bühne. Mit dem Ende des “chinesischen Konzertes” hatte sich die riesige Scheune vollständig geleert, erfreulicherweise füllt sie sich aber rasch wieder mit der jüngeren Hälfte des Festivalpublikums. Es wurde ein sehr nettes Konzert mit den Stelzenern, deren Ohren offensichtlich noch nicht genug hatten. Und ihre Beine hatten wohl schon nach ausgiebiger Bewegung gedürstet. Frauen, die mit Tüchern wirbelnd tanzen, Kreisformationen mit hochgereckten Armen, Standard- wie Ausdruckstanz überall! Die Leute in Stelzen wollten feiern, das war offensichtlich! Das taten sie auch – und wir mit ihnen. Unweigerlich mussten wir uns später am Lagerfeuer (und auch vom Bierverkäufer der kein weiteres Fass mehr anzapfen wollte) anhören, dass wir viel zu kurz gespielt hatten. Allerhand! Die wenigsten wissen halt, wann genug ist…

Nun machen wir eine kleine Konzertpause, um unsere neue CD fertigzustellen, neue Bandfotos zu machen und eine kleine Schellacküberraschung vorzubereiten. Live zu sehen sind wir erst wieder am 18.7. auf dem Burg-Herzberg-Festival. Eine Woche später auf dem Kuahgartn-OpenAir und am 1. August auf dem Bardentreffen wiederum in Nürnberg. Schönen Sommer bis dahin und schön Weltmeister werden…